Fangmethoden – Eine Frage der Intelligenz

Intelligentere Fangmethoden reduzieren unerwünschten Beifang und erhöhen die Effizienz der Fischerei.

Weniger Beifang, also das unbeabsichtigte Fangen von Fischarten oder anderen Meereslebewesen, bedeutet mehr wirtschaftlich verwertbaren Fang, stabilere Fischbestände und gesündere Meere – kurz: eine nachhaltigere Fischerei.

Eine Spezies, die massiv von Beifang betroffen ist, sind Meeresschildkröten. Hunderttausende werden Jahr für Jahr unbeabsichtigt gefangen.[1] Eine Methode, um dies zu vermeiden, ist der Einsatz von sogenannten „turtle excluder devices“ (kurz: TEDs) in Schleppnetzen. Dabei handelt es sich um „Ausstieghilfen“ für Schildkröten. Während Fische und Meeresfrüchte durch ein sehr grobes „Sieb“ hindurchschwimmen, ist es für die Schildkröten zu eng. Sie werden nach oben zu einem Loch im Netz geleitet und können es unbeschadet verlassen. In Mosambik sind TEDs seit 2005 sogar gesetzlich vorgeschrieben und retten jährlich bis zu 5.000 Meeresschildkröten.

Im Jahr 2004 rief der WWF einen internationalen Wettbewerb ins Leben. „Smart Gear“ prämiert seither praktische Lösungen, die unerwünschten Beifang reduzieren.

Eine solche intelligente Entwicklung, die ebenfalls den Schildkröten zu Gute kommt, sind Rundhaken. Sie kommen anstelle der klassischen J-förmigen Haken bei der Thunfisch-Langleinen-Fischerei zum Einsatz. In einem einzigartigen Modelprojekt testete der WWF rund vier Jahre lang mit 1.300 Fischern die neuen Haken, die mit ihrem Durchmesser zu groß für ein Schildkrötenmaul sind und daher nicht mehr verschluckt werden. Das Ergebnis war überwältigend: Der Beifang von Schildkröten konnte um 90 Prozent reduziert werden.[2]

Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich Beifang bereits durch technische Maßnahmen verringern lässt. Es braucht aber auch politische Rahmenbedingungen, um der Fisch-Verschwendung entgegenzuwirken. In der Europäischen Fischereipolitik hat man sich dazu entschlossen, bis zum Jahr 2019 das Zurückwerfen des unerwünschten Beifangs zu verbieten und gleichzeitig die Fischer zu verpflichten, ihren gesamten Fang mitzubringen. Nur so erhalten Wissenschaftler einen Einblick darin, was tatsächlich dem Meer entnommen wird. Das hilft ihnen bei ihren Prognosen und Empfehlungen.

Nun gilt es, dass alle Fischereiflotten diese und ähnliche Methoden übernehmen. Die Nachfrage der Konsumenten nach nachhaltig gefangenem Fisch ist dabei eine treibende Kraft.

Quellen für diesen Artikel anzeigen

[1] WWF Factsheet on Bycatch. http://wwf.panda.org/about_our_earth/all_publications/?166941/Bycatch-Factsheet

[2] WWF Article. Fishing Technology That’s Letting Turtles Off the Hook. Bycatch Initiative: Eastern Pacific Programme. http://wwf.panda.org/who_we_are/wwf_offices/peru/?143981/Fishing-Technology-Thats-Letting-Turtles-Off-the-Hook

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