Warum ist nachhaltiger Fisch gut für die Wirtschaft?

Wären unsere Weltmeere ein Land, wären sie die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die nachhaltige Nutzung ihrer kostbaren Ressourcen ist die Voraussetzung, um nachhaltige Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern und zu schaffen.

Axel Hein

Marine Conservation Expert, WWF Austria

Langfristiges Denken zahlt sich aus

Fisch und Meeresfrüchte gehören zu den meist gehandelten Rohstoffen weltweit. Fischerei und Aquakultur tragen zum Wohlstand und zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Die Fischereiwirtschaft wird auf lange Sicht nur dann rentabel sein, wenn sie sich vom kurzfristigen Gewinndenken löst. Nachhaltige Wege zu gehen, ist unerlässlich und kommt allen zugute.

Nachhaltig heißt nicht weniger

Nachhaltiges Fischen bedeutet nicht unbedingt weniger Fischfang. Es geht vielmehr darum, den richtigen Fisch in vertretbaren Mengen zu fangen, während andere Arten verschont bleiben. Es geht darum, nachhaltige Fanggeräte und Techniken zu verwenden, die nicht nur darauf abzielen, das Fangvolumen zu maximieren. Die langfristige Erhaltung wertvoller Meeresressourcen ist die Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand.

Ungenutztes Potential

Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresfischbestände könnte den Ertrag sogar erheblich steigern. Experten schätzen das zusätzliche Potenzial auf rund 83 Milliarden US-Dollar. [1] Durch eine bessere Bewirtschaftung können sich Fischbestände erholen, wodurch mehr und qualitativ hochwertigerer Fisch gefangen werden kann.

Kampf gegen Piraten

Illegale Fischerei ist das sechstgrößte Verbrechen weltweit – der jährliche Wert wird auf bis zu 36,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. [2] Illegaler Fischfang ist oft auch mit Menschenrechtsverletzungen und entsetzlichen Arbeitsbedingungen verbunden. [3]

Nachfrage als Treiber für VeränderungNeben der Politik entscheiden Unternehmen und Verbraucher über die Zukunft der Fischerei und Aquakultur. Eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten erhöht deren Angebot und bewirkt einen Wandel hin zu verantwortungsvolleren Fischereien und Zucht-Betrieben. Ihre Entscheidung für nachhaltigen Fisch hilft dabei, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und die Arbeitsbedingungen für Millionen von Menschen im Fischereisektor zu verbessern.

3 Fakten über Fisch und Wirtschaft

Fakt 1

Der wirtschaftliche Wert von Küsten- und Meeresumwelt wird auf 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt. [4]

Fakt 2

1. USA, 2. China, 3. Japan, 4. Deutschland, 5. Frankreich, 6. UK, 7. Weltmeere, 8. Brasilien, 9. Italien, 10. Russland, …

Das jährliche „Bruttomeeresprodukt“, das dem BIP eines Landes entspricht, macht die Meere zur weltweit siebtgrößten Volkswirtschaft.

Fakt 3

  • 23%

Die EU ist der weltweit größte Importeur von Fisch und Meeresfrüchten. 23 Prozent der weltweit gehandelten Fische werden in die EU importiert. [5] Die Hälfte der Importe stammt aus Entwicklungsländern, die für 61 Prozent der weltweiten Fisch-Exporte verantwortlich zeichnen. [6]

Okay, aber was kann ich tun?

Die europäische Nachfrage nach nachhaltig gefangenem Thunfisch hat mehr als 6.000 Fischern auf den Philippinen ein besseres Einkommen und gleichzeitig den Schutz der Fischbestände ermöglicht. Wählen Sie nachhaltigen Fisch!

Joann Binondo

Programme Manager, WWF Philippines

[1] World Bank Group. 2015. The Sunken Billions Revisited. Progress and Challenges in Global Marine Fisheries. Page 2-3.
http://www.worldbank.org/content/dam/Worldbank/Topics/Environment/Sunken%20Billions%20Revisited-web-2.pdf
[2] Global Financial Integrity. 2017. Transnational Crime and the Developing World. http://www.gfintegrity.org/report/transnational-crime-and-the-developing-world/
[3] Chantavanich et al 2016. Under the shadow: Forced labour among sea fishers in Thailand. Marine Policy 68:1-7
[4] Hoegh-Guldberg, O. et al. 2015. Reviving the Ocean Economy: the case for action – 2015. WWF International, Gland, Switzerland. Geneva. Page 12.http://wwf.panda.org/wwf_news/?244770/Ocean-wealth-valued-at-US24-trillion-but-sinking-fast
[5] EUMOFA (European Market Observatory for Fisheries and Aquaculture Products). The EU Fish Market. 2014 Edition. Page 1.
http://www.eumofa.eu/documents/guest/Yearly%20Highlights/The%20EU%20fish%20market_EN.pdf
[6] Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO).www.fao.org/news/story/en/item/214442/icode

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